Yusuke Suzuki & ALEPPO – CITY OF CHAOS | Berlin Foto Biennale 2016

© Yusuke Suzuki "Aleppo, Syria - City of Chaos"

Yusuke Suzuki hat für seinen Essay Aleppo, Syria – City of Chaos den Berlin Foto Biennale Award 2016 als “Junges Nachwuchstalent gewonnen. Zwei seiner Fotoessays sind in einer Einzelausstellung auf der Berlin Foto Biennale 2016 zu sehen:

 

ALEPPO – CITY OF CHAOS

&

Lesbos Island – Journey to a New Life

Berlin Foto Biennale 2016

4th Biennial of Fine Art & Documentary Photography

 

zeigt

 

 YUSUKE SUZUKI

 

 6. – 30. Oktober 2016

 
yusuke_suzukiDer junge und vielfach ausgezeichnete Fotograf Yusuke Suzuki hat es sich zum Ziel gemacht, mit seinen Bildern die Geschichten zu erzählen, die nicht ignoriert werden dürfen. Mit nur 32 Jahren hat er bereits das Leben der Freien Syrischen Armee im Kampf um Aleppo und später die Flüchtlingskrise auf Lesbos dokumentiert.
 
Seine Ansatzweise der Krisen- und Konfliktdokumentation ist einzigartig: Er lebte mit den Menschen zusammen und gewann so einen besonders intimen Einblick in ihr Leben und ihren Kampf. So konnte er ihre Empfindungen und Ängste, ihre Trauer und Hoffnungen und insbesondere das Schicksal der Kinder miterleben. Das Resultat sind komplexe, nackte Emotionen, festgehalten in einer einzigen Aufnahme, die die Zeit zum stehen bringt.
 
Yusuke Suzuki über seinen Fotoessay “Aleppo, Syria – City of Chaos”
 
2013 gelangte ich mit einem Mittelsmann der Freien Syrischen Armee von der Südtürkei nach Syrien. Wir wurden sofort Freunde und ich wohnte in seinem Haus in Aleppo, wo die Familie seines Onkels, die Familie seiner Verlobten und die seines Cousins alle unter einem Dach lebten. Einige von Ihnen wohnten davor in ihren eigenen Häusern, doch als die Kämpfe heftiger wurden, wurden ihre Wohngegenden zur Zielscheibe der Bomben. Sie mussten Ihre Häuser aufgeben, um ihre Kinder in Sicherheit zu bringen. Ich aß mittags und abends mit ihnen, unterhielt mich und lachte mit ihnen. Ich diesen turbulenten Zeiten wurde ich zum erstaunten Zeugen ihrer unglaublich großzügigen Gastfreundschaft.
 
Sobald ich in Aleppo – der größten Stadt Syriens – ankam, wurde mir klar, dass es weder Wasser, Strom, Gas, Nahrungsmittel, Medikamente, Arbeit, Schulunterricht und noch nicht einmal Milchnahrung für Babys gab. Die Menschen dieser Stadt hatten alles verloren. Die Menschen, die vorher einfach nur normale Bürger von Aleppo waren, griffen zu den Waffen und schlossen sich der Freien Syrischen Armee an, um den Sieg über President Bashar al-Assad zu erringen, dessen Familie seit 1971 in Syrien regiert. Als die Kämpfe erbitterter wurden und mehr und mehr Zeit verging, wurden die Bewohner von Aleppo auch verzweifelter und ängstlicher hinsichtlich ihrer Zukunft und dem gefährlichen Alltag. In vielen Teilen der Stadt war es nicht sicher nur einmal zur nächsten Bäckerei oder einem Geschäft zu gehen, oder Freunde zu besuchen, weil Scharfschützen jeden ins Visier nahmen, der einen Versuch unternahm die Straßen zu überqueren.
 
Das Donnern wahlloser Bombardements und Feuergefechte konnte man sogar mitten in der Nacht noch hören. Die meisten der Familien wurden tagtäglich mit der Nachricht vom Tod eines Angehörigen, Freundes, Bekannten oder jemandem, den sie kannten, konfrontiert. Die Menschen von Aleppo hofften nicht länger auf Hilfe aus den westlichen Ländern. Sie hatten das Gefühl, vergessen worden und isoliert zu sein von der internationalen Gemeinschaft, da trotz ihrer verzweifelten Hilferufe keine Hilfe eingetroffen war. Sie wurden mit jedem Tag pessimistischer und konnten die verheerenden Umstände und den gefährlichen Alltag nicht länger ertragen. Auf der anderen Seite waren die Kämpfer der Freien Syrischen Armee immer noch optimistisch und glaubten an den Sieg. I trank oft Tee mit ihnen und wir lachten zusammen. SIe fragten mich manchmal, welche spanische Fußballmannschaft ich favorisiere oder welche Musik mir gefällt. Sogar an der Frontlinie lachten und scherzten sie, bis das Zischen von Kugeln die Luft zerfetzte oder Bombardements begannen.
 
Ich kann ihre angsterfüllten Gesichter nicht vergessen, wenn einer von ihren Soldaten angeschossen wurde. Ich sehe noch immer den Schrecken in ihren Augen, wenn wir fliehen und uns vor den Bomben verstecken mussten. Ich stellte fest, sie sind in vieler Hinsicht genau wie ich. Keiner von ihnen will sterben, auch wenn sie ihr Leben opfern, um ihre Stadt und die Bewohner zu beschützen.
 
Die Soldaten der Freien Syrischen Armee waren einst Studenten, Lehrer, Ingenieure, Bauern und Taxifahrer. Sie sind Väter, Söhne und Ehemänner. Keiner von ihnen weiß, was passieren wird, wenn sie Bashar al-Assad und seine Truppen besiegen. Ein Soldat sagte zu mir: “Wir haben einfach nicht genug Zeit und Raum, um über das Leben nach Bashar nachzudenken. Wir denken nur daran, wie wir diesen Kampf gewinnen können. Das war’s.”

Aleppo war im Chaos des Krieges versunken.
 
Yusuke Suzuki wurde 1984 in Chiba, Japan geboren und lebt heute in New York. Er studierte zunächst Musik in Japan, doch als er in den Sommerferien mit Freunden die Philippinen besuchte und die teils tragischen Lebensumstände sah, begann er sein eigenes Leben und seine Karrierepläne als Gitarrist zu hinterfragen.
 
2006 ging er das erste Mal nach Afghanistan, um zu sehen, wie es in diesem Teil der Welt vor sich ging. Während dieser Reise traf er Journalisten und Fotografen – Begegnungen, die sein Leben für immer veränderten. Mehr und mehr überzeugt, das Fotografie die Kraft hatte, die Welt zu verändern, entschloss er sich Fotojournalismus und Dokumentarfotografie zu studieren und tauschte seine Gitarre gegen eine Kamera ein.

Während seiner Studienzeit reiste Suzuki nach Usbekistan und Kasachstan, um die Folgen des Klimawandels dort zu dokumentieren. 2012 reiste er in seine Heimat Japan, um zu sehen, wie es ein Jahr nach dem großen Erdbeben und Tsunami dort aussah.

2011 schloss er sein Studium an der New England School of Photography ab. Im Januar 2013 ging er das erste Mal nach Syrien, um für drei Wochen bei der Freien Syrischen Armee zu leben und die Kämpfe zu dokumentieren. Im August 2015 dokumentierte er die Flüchtlingskrise auf Lesbos. Seine Bilder wurden u.a. bei CNN, The Washington Post, Reuters, Al Jazeera, Haaretz (Israel), Estadao (Brasilien), Internazionale (Italien), Metro Boston, Toronto Sun, The Page (Japan), NHK (Japan) und Journalism (Japan) veröffentlicht. Bevor er als Nachwuchstalent ausgewählt wurde hatte er bereits den Jacob Riis Editorial Award gewonnen.
 
Die vollständige Pressemitteilung können Sie hier herunterladen.
 

Aleppo, Syria – City of Chaos

 

Lesbos Island – Journey to a New Life

 

 

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